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2025-12-08

Deine Spuren im Sand

Wenn du einen Weihnachtskeks isst, dann hinterlässt du oft Krümel. Bei diesem hier ist die Gefahr nicht so groß, da er einen weichen Kern hat und die Schokolade recht gut an dem Teig innen haftet.

Bei härteren Keksen, wie einigen aus den Kalenderseiten der letzten Woche, ist es fast unvermeidlich, dass es krümelt und sich Spuren in der ganzen Umgebung verteilen.

Das gleiche passiert im Internet, sobald du deinen Browser auf irgendeine Seite schickst – am Smartphone genauso wie am Tablet oder Firmen-Notebook.

Der User-Agent

ist neben der IP-Idresse, unter der du mit dem Internet verbunden bist, die wichtigste Spur, die du dem Betreiber der jeweiligen Website hinterlässt. Sie wird automatisch in der Access-Logdatei auf dem Server bzw. in der Cloud des Internetanbieters gespeichert und kann sofort oder auch später ausgewertet werden.

Ein menschlicher Besucher wird dort z.B. so gespeichert:

Mozilla/5.0 (X11; Linux x86_64) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/142.0.0.0 Safari/537.36

Wie du siehst, kann ein Mitarbeiter mit Zugriff auf solche Informationen sofort recht deutlich sehen, mit was für einem Gerät du arbeitest: in diesem Fall einem Linux-Computer. Er hat es hier also mit einem Besucher zu tun, der nicht zur Masse der Normalbürger gehört. Mit Linux arbeiten nämlich nur ca. 4-5% der PC-Nutzer in Deutschland.

Was sagt so eine Information einem Restaurantbetreiber oder lokal arbeitenden Handwerker, dessen Internetseite du besuchst?

In der Regel gar nichts. Denn der Handwerker oder Restaurantbesitzer bringt normalerweise überhaupt nicht das Know How mit,

  • wo er diese Informationen findet und
  • was er ggf. daraus über dich erfahren kann.

Um diese Informationen über dich als Besucher auszuwerten, müsste er also einen externen Experten beauftragen, was ihn in der Regel Geld kostet und was er deshalb meist auch nicht tut.

Was sagt sowas Facebook, Google oder Amazon?

Solchen Tech-Konzernen sagt so eine Information dagegen sehr viel. Sie beobachten dich deshalb täglich und rund um die Uhr und können solche Informationen mit vielen weiteren verbinden, zusammenführen und abgleichen.

Und wenn sie z.B. so einen Eintrag finden:

Mozilla/5.0 (iPhone; CPU iPhone OS 18_6_2 like Mac OS X) AppleWebKit/605.1.15 (KHTML, like Gecko) Version/18.6 Mobile/15E148 Safari/604.1

Dann wissen sie, dass du mit einem iPhone unterwegs warst und können ihre Werbebotschaften dementsprechend an dich ausbreiten, weil sie glauben, dass du dafür wahrscheinlich empfänglich bist.

Wem nützt so etwas?

Das kann man sich leicht vorstellen: Denen die riesige Datenmengen einsammeln, auswerten und damit automatisiert ihr Geschäft steuern und abwickeln, Kunden und Aufträge gewinnen und so immer mehr Macht und Einfluss auf uns gewinnen.

Dem kleinen Handwerker oder Restaurantbetreiber nützt es kaum. Sein Geschäft nimmt ständig weiter ab, die Kundenzahlen sinken, die Bezahlung der einzelnen Aufträge wird immer schlechter. Die Krise schlägt voll durch.

Daraus zeigte sich z.B. in der Coronazeit der deutliche Unterschied zwischen KMU und solchen Konzernen: Restaurants mussten schließen. Firmen wie Amazon machten Riesengeschäfte und Gewinne, denn die verfügten über jede Menge digitale, automatisiert auswertbare Kunden- und Interessentenkontakte, die sich in dieser besonderen Sitiuation zielsicher ansprechen konnten. Der Handwerker oder Restaurantbetreiber konnte das kaum. Ohne die Anbindung an einen teuren Lieferservice war die gesamte „Lieferkette“ dank der Panikreaktionen der staatlichen Akteure sofort und komplett abgerissen.

Wie können wir die Chancen wieder ausgleichen?

Ich denke, es geht nur dann, wenn sich viele Kleine als effektiv arbeitendes Netzwerk zusammentun.

Wie das gehen soll. erfährst du, wenn du dabei bleibst und jeden Tag dein nächstes Kalendertürchen in eine bessere Welt öffnest.